Montag, 4. April 2011

Ja, und?!

Ja und, wie hats dir denn nun gefallen? Liebe, Hass oder Hassliebe? Die Frage aller Fragen, kommt jemand aus Indien zurück… Ich beantworte die Frage einmal etwas plastisch: Sowohl Indien, als auch ich, sind Magnete. Liegen wir frei nahe beieinander, finden wir unseren Weg zueinander und wir kleben aneinander. Nimmt man uns und hält uns aneinander, finden wir noch schneller zueinander, doch werden wir im falschen Winkel gehalten, stoßen wir uns gegenseitig ab und es gibt kaum eine Möglichkeit und zu verbinden. Ich glaube, das ist es – wir sind zwei Magnete, die gern von allein, ohne „äußere“ Einwirkungen zusammenfinden und sich mögen. Dennoch gibt es Dinge, die ein Miteinander einfach unwahrscheinlich machen. Wohl hat es mich auch in gewisser Hinsicht gefangen genommen und ich werde mich kaum lösen können, werde zurückkommen, Altes neu entdecken, Neues finden und und und. Einfach wieder in ein Leben und ein Land zurück finden, welches mich voll und ganz  eingenommen und geprägt hat, welches einen Teil von mir bei sich behält und den anderen Teil in Deutschland verindert leben und wirken lassen wird. 


So ist das wohl.

Bombay.


Wir kennen Bombay Bicycle Club und erlebten Mumbai als Bombay Per Pedes Club. Ja, Bombay, 25 Millionen, Slums, britischer Prunk – verbunden durch funktionierende Ampelsysteme, Fußgängerüberwege und Fußwege, welche wirklich begehbar waren. Genial. 

Ebenso wie Delhi, ist Bombay/Mumbai eine Stadt, welche polarisiert – entweder du magst sie, oder nicht. Auch wenn wir Bombay nur recht kurz kennenlernen durften, hat diese Stadt gepunktet, wohl durch jene Verkehrssituation und den europäischen Touch. Kleine Gassen, Café-Kultur, weniger Gestarre und mehr Aktivität auf den Straßen – ja, man läuft hier wirklich! Leider haben wir jedoch wenig vom Bollywood-Flair mitbekommen, dachte ich doch, ich würde von Filmen, SchauspielerInnen, Werbung und Co. Überhäuft werden. Doch nicht. Anders als erwartet, erschien das Meer jedoch wirklich als Meer und nicht wie erwartet als Sammelsurium verschiedenster Abfälle und wurde von der Skyline ins rechte Licht gerückt – wahrlich großstädtisch.



Auf den ersten Blick gesehen, kann ich also wirklich sagen, dass Bombay gefallen hat, es sich lohnen würde, länger als 24 Stunden auf Achse zu sein und sich treiben lassen sollte – zu Fuß!



Goa Goa.

Die wilden Zeiten sind vorbei und wir waren zu faul, um die allseits bekannten Partys zu finden. Wir lagen am Strand, den ganzen Tag, haben nichts getan außer gelesen und so könnte ich Bücher empfehlen, kann aber wenig über Goa erzählen.  Es ist vielleicht die neue „Malle“-Alternative, ist für mich alles andere als indisch, dennoch schön, zum erholen, aber wer nur Goa kennt, war noch nie in Indien…



Sonntag, 27. März 2011

Holi Shit, ey.

Oh man! Frühlingsfest in Indien: Holi, das Farbenfest, ein Tag, an welchem sich Groß und Klein, Alt und Jung mit Farben bewirft, sich jene ins Gesicht schmiert, sich bombadiert und viel lacht.
Wir durften jenes Fest in Hampi erleben und hatten somit einen internationalen multikulturellen lachenden tanzen und musizierenden Pulk bunter Menschen. Schön wars. Es ist vielleicht ein wenig schwer zu beschreiben, da es für alt eingesessene ordnungsliebende Menschen wohl die Reinkarnation des wilden, nicht zu bändigenden Kindes ist, doch ist es einfach nur pure Freude, verbunden mit indischer Herzlichkeit. Schön wars.
Leider ist es wohl vor allem für Deutschland eine utopische Flusel, so etwas in die Tat umzusetzen: Wer ist verantwortlich hierfür, wer macht das sauber, wer stellt jenes zur Verfügung und welchen Sinn hat dies überhaupt?! Es würde wohl doch gut tuen. Ein wenig Leichtigkeit des Seins im ordnungsliebenden Alltag. Schön wärs.

Schön wars aber.



Hampi.

Heaven on Earth. Ja, es gibt einen Himmel auf Erden - dieser Platz liegt im Süden Indiens, versteckt in der Pampa, ist winzig und von Wasser durchflossen. Sucht man einen Platz, um glücklich zu werden, könnte dieser hier seine Wurzeln austrecken. Zwischen Palmen, Reisfeldern und Bananenplantagen lässt mensch die Gedanken frei, bekommt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, spürt die vermeintliche Leichtigkeit des Seins und steht, läuft, ist einfach im Hier und Jetzt, nirgens sonst. Vergisst Stress, rasende Technik, schwindelerregend hohe Bauten modernen Wahnsinns, ebenso eben jenen Wahnsinn, atmet ein und atmet aus, ganz ohne Druck, ohne Pflicht, einfach so, zum Sein.


Von Hanuman geschaffen, so die Theorie, entstand doch wohl vielmehr die Definition der Farbe Grün. Leider ist es gar nicht möglich, jenes Grün mit der Kamera einzufangen, dessen Weite und Leuchtkraft jenes Grün verschiedenster Farbpaletten in Farbkästen oder in Bildbearbeitungsprogrammen übertrifft. 

  

Es ist auf jeden Fall ein weiteres Wohlfühlörtchen auf der indischen Landkarte, dessen Hängematten zum Lesen und Verweilen einladen, zum Zeit- und Weltvergessen - eine Art Winter-Oase für das spätere RentnerInnendasein, mit eigener Bananenplantage, Stift und Zettel zum eigenen Schreiben und Zeichen, zum genießen und freiem Ein- und Ausatmen. 

Doch eigentlich, ganz ehrlich, ist es doch der Schauplatz des Dschungelbuchs. Wer dies mag, wird Hampi lieben. Sofort.

Mittwoch, 9. März 2011

Dilli. Mujhko passant hai.


Nun bin ich vor mehr als sieben Monaten in Delhi gelandet – einer Riesenstadt mit Millionen Menschen und zu oft zu wenig Platz. Nun sollte diese auch mich beherbergen – kein Kind von Traurigkeit oder Schüchternheit, doch eher kleinere Städte bevorzugend. Nun denn.

Eine Eingewöhnungsphase blieb mir dank vieler toller Menschen und tollen Arbeitsplatzes fern und diese Stadt wurde zum neuen zu Hause. Im Naherholungs- und Wohngebiet Gulmohar Park wurde viel Kaffee getrunken, dabei das Grün drum herum beäugt, Vögel und Hörnchen beobachtet und vergessen, dass ich in einer der größten Städte überhaupt wohne. Doch was sind schon Größen und Entfernungen… Drei Kilometer liegen in der näheren Nachbarschaft, 25 Kilometer wären einmal durch die halbe innere/mittlere Stadt und Zeit und Entfernung spielen im Grunde keine Rolle mehr. Ich bin, denke ich, entspannter und gelassener geworden, meine Pläne für dies und das bestehen immer noch, doch wurde mehr Platz für Veränderung geschaffen. Wenn nicht heute dann vielleicht morgen oder irgendwann. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Immer indisch, aber alles möglich. Alles.


Man durfte täglich kämpfen, um Kleinigkeiten, Gleichberechtigung, 5 Cent, Verständnis. Hat so viel gewonnen, ein Lächeln, sein Ziel erreicht und so viel mehr. Man wurde härter, vielleicht oftmals auch unfreundlich, selbstbewusster. Man muss zu sich selbst stehen – ich mag mich – und aufhören Vergleiche zu ziehen.

Ich habe Lieblingsplätze gefunden, Orte, die mich immer wieder aufs Neue faszinieren, nicht langweilig werden und jedes Mal von einer neuen Seite gesehen werden. Ich konnte wandeln zwischen Orient, muslimischem Hinterland, modernem Wahnsinn, alltäglichem indischen Chaos, europäischen Oasen, arabischen Gassen, hinduistischen Tempeln und bei allem ein neues Zeitverständnis wahrnehmen, kulturell aufeinander prallen, teils verschmelzen, teils abstoßen und bei allem glücklich sein.

Einfach verindert, glücklich und zufrieden.


Dienstag, 1. März 2011

Dharamsala II.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Es sollte für mich natürlich auch hinaus in die Natur gehen, eine Art Pseudowandertour, und es endlich wieder einmal auskosten, dass man sich wirklich bewegen kann. Pro Tag hatte ich nun meine, immerhin, 10 km-Asphalt-Wanderung die Berge hinauf und kam somit schnell auf ein Pensum, für welches ich in Delhi wohl mindestens eine Woche brauchen würde. Genial, dankbar jeden Schrittes konnte ich strahlen umherwandeln. Mein erster Ausflug führte mich zu einem Wasserfall, welcher zu jener Jahreszeit jedoch eher einem Rinnsal glich, einen längeren Aufenthalt nicht wert war und natürlich von einem plötzlichen Wetterumschwung überschattet wurde – es regnete, hagelte, schneite. Aber hey! Ich hatte Schnee! Yeah! Bald standen mir jedoch zu viele junge Inder mit unter meinem Unterschlupf und so wurde kurzerhand meine liebevoll, bis zum letzten Windhauch genutzter pinker Regenschirm herausgeholt und ich wurde zum bunten Farbkleks im verregneten grau-grün der Berge. Da macht doch alles gleich viel mehr Spaß!


Mein zweiter „erfolgloser“ Ausflug ging hinauf zum Dal-See. Meine Assoziation hierzu waren wie folgt: Genial. Bergsee. See mit Bergen drum herum. Ruhe. Entspannt sitzen und lesen/schreiben. See mit Wasser. Natur. Schön. Nunja, sagen wir es so: Drum herum waren schon Berge, aber näher als diese doch verschiedene Dhabas mit Tee und Essen, in der reinen Natur war er somit auch nicht und ruhig war es auch nicht. Zu allem Überfluss war der See jedoch nicht einmal ein See, sondern eher eine von Steinmauern umsäumte Schlammwanne mit Kühen darin. Auch hier wollte ich mich nicht länger aufhalten, wozu auch, war es ja kein See…

Aber wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel. Und die Wege waren toll, so ruhig und einsam, fast ganz ohne Menschen.


Der angebliche Dal Lake

Dharamsala I.

Leben.Exil.Tibet.



Ach, ich liebe die Berge, jawohl, sie sind mir mit das Liebste, was ich bisher in Indien erleben durfte. Allein die stetige Annäherung an das Ziel in den Bergen ist es wert – die Natur wird grüner, zwischen Laubbäumen stehen Palmen und drum herum wildes Geflecht, die Hunde werden kompakter, sehen gesünder aus, bekommen längeres Fell und sind einfach Hund, die Luft wird reiner und die Menschen geringer. Schön.

Diesmal war ich nun in Dharamsala, Exilheimat des Dalai Lama, Exil für unendliche TibeterInnen und Wohlfühl-Dörfchen auf 1800 Metern. Was will man mehr?!


Es mag fast ein wenig gemein klingen, aber die Bergmentalität unterscheidet sich doch recht deutlich von der Flachlandmentalität – Man wird nicht von jeder Seite angesprochen, die Einheimischen interessieren sich nicht die Bohne darum, ob die Menschen, welche an ihnen vorbei laufen weiß, kariert oder lila-gelb-blinkend sind, wollen somit auch keine Fotos ergattern, sondern lächeln einen einfach nur an, grüßen und sind schlichtweg freundlich. Ach, wie schön so etwas doch ist…

Am ersten Tag saß ich relativ lang im Kloster der buddhistischen Mönchen und beobachtete ihr morgendliches Treiben – Sie meditieren in Ruhe, lassen die Gebetswimpel im Winde wehen und drehen die Gebetsmühlen um ihre Gebete, Wünsche und Hoffnungen in alle Himmelsrichtungen der Welt zu verschicken, sie diskutieren in gemeinsamer Runde; und bei allem unglaubliche Ruhe, Zufriedenheit und Friedlichkeit vermittelnd. Einige kamen sogar zu mir, um einfach Guten Morgen zu sagen – weiß nicht, wann ich so etwas das letzte Mal erlebt habe…


Außerdem habe ich mein gefährliches Halbwissen gegenüber der Tibet-China-Problematik etwas aufbessern können, bin dafür recht dankbar und gleichzeitig etwas enttäuscht, dass einfach so wenig gen Osten und Westen vermittelt wird. Es passiert einfach so viel Geschichte im Raum Tibet/Nepal und Umliegendes und was wissen wir davon? Zu wenig, leider. Ein kurzer Augenschlag an Information in fünf Jahren, kurze Proteste auch in Europa, doch dann liegt das Interesse schnell wieder Wirtschaft, Konsum und Affären von Promi A bis Promi B, welche nun Geld wollen… und weiter in den Bergen, fern ab von Wirtschaftswachstum, Konsumgütern und Promieskapaden sterben Menschen und werden aus ihren Dörfern vertrieben. Dass etwas falsch läuft, merkt man schnell…


Gleichzeitig habe ich endlich Forget Kathmandu fertig lesen können, ein Buch über den Wunsch nach Demokratie in Nepal. Passend. Ermattend. Wahr.

Eine Busfahrt, die ist...

Habe ich nun schon über die indischen Zugfahrtmöglichkeiten geschrieben, muss ich nun auch anderen Fortbewegungstechniken gerecht werden, und einige Zeilen dem Busfahren widmen.

Wer Zugfahren in Indien spannend findet, saß noch nie in einem Bus, welcher durch und über das Land fährt. Anders als im Zug, ist einem der Sitzplatz nicht hundertprozentig gewiss, und ob man überhaupt ankommt ebenfalls nicht. Um alles ein wenig besser beschreiben zu können, dachte ich mir, ein wenig von den ereignisreichen Fahrten zu erzählen.

Die erste denkwürdige Fahrt führte uns von Manali zurück nach Delhi und ist schon ein wenig kultig geworden, denn was könnte wohl passiert sein, wenn auf einmal der Bus mitten auf der Straße stehen bleibt? Bus kaputt, richtig. Diese Antwort sollten wir noch öfters erhalten, doch ist es weniger motivierend, wenn bei all dem nichts passiert. Und hiermit meine ich wirklich: Nichts passiert. Man macht es eben indisch, setzt sich an den Straßenrand, schaut auf den Bus oder in die Dunkelheit und wartet, bis jener von allein wieder anspringt. Zweimal funktionierte diese Methode unfassbarer Weise auch, doch beim dritten Mal war es das dann endgültig und es regte sich nichts… Kurzum: Die letzten rund 300 km wurden mit dem Taxi zurückgelegt, um nur mit acht Stunden Verspätung Delhi zu erreichen.

Legendär zum Zweiten: Jodphur – Jaisalmer. Schon bekannt, deswegen nur noch einmal kurz erwähnt: wir saßen in einer Art Gepäckablage, hinter Scheiben gesichert, zusammengequetscht, aber in unserem eigenen Reich, fernab der Klaustrophobie vermittelnden Zusammengepresstheit unter uns und oben auf dem Dach. Spaßig war es dennoch.

Zum Dritten: der Überlandbus. Ähnlich der A1 in Marburg vom Hauptbahnhof zum Richtsberg – Leute steigen ein, steigen aus, mal mehr Platz, mal weniger Platz, Ticket gibt es im Bus und es dauert mal mehr und mal weniger lang. Diesem fügen wir jetzt noch feldwegartige Straßen hinzu, einen auseinanderfallenden Bus, dessen Bankabstände indischen GebirgsbewohnerInnen angepasst waren (es war mir einfach unmöglich meine Beine und meinen Sitz harmonierend zu verbinden) und eine typisch indische Lautstärkenmentalität. Juche, nicht für jedermann und jederfrau, aber ein Erlebniss schlecht hin. Ach und: natürlich gibt es keine Toilettenpausen für weibliche Mitfahrende und so lernt man doch recht gut, die Gesetze seines eigenen Körpers zu unterbinden, die mentale Macht zu ergreifen und Ankünfte am Ziel noch höher zu schätzen.

Goldener Tempel.

Einen Hauch von der pakistanischen Grenze entfernt, befindet sich das unübersichtliche Amritsar und mittendrin das Heiligtum der Sikhs – der Goldene Tempel. Dieser wollte gesehen werden und nach vielen Anläufen habe ich es nun auch endlich geschafft, mich gen Tempel in den Zug zu setzen.

Leider hat das Wetter nicht richtig mitgespielt und es fehlte die Sonne zum anstrahlen des, kleiner als gedachten, Tempel im See der Gurdwara in Amritsar. Dennoch: tolles Feeling, man konnte schön beobachten, tolle Stimmung mit den Wolken und einfach ein weiteres Heiligtum einer Religion, welches begutachtet werden konnte, um später bewerten und einordnen zu können.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Orchha und Khajuraho.

Wozu ein Zugticket buchen, wenn man dann doch den falschen Tag bucht und morgens halb 6 letztendlich ein anderes kauft? Fragen die wohl nicht beantwortet werden können, aber erheiternd im Raum stehen bleiben… Wir sind nun mit einigem Hin und Her, leicht verplant und mit riesen Freude auf das Neue einfach Richtung Süden gefahren, um später Mowgli aufzusuchen.


Orchha ist ein winziges Dörfchen auf der nordindischen Landkarte, am Fluss gelegen, Unmengen von Kramsläden und auf dem ersten Blick gesehen, wohl nicht besonders anders, als andere Dörfchen Nähe der großen Touristenmagnetzentralen. Aber: nein nein, weit gefehlt. Dieses pupslige Dorf zählt zu den sehenswertesten Plätzen Nordindiens – und das zu Recht! Ein Traum aus Tempeln, ungemeiner Entspanntheit, genialem Sonnenschein und Temperaturen, welche eine 3 als erste Ziffer besitzen und ihr Dorfleben hinter einer Ecke wirklich leben. Schön. Alles superbasic, aber unglaublich freundlich, abends beim Essen saß man neben den Kindern und durfte beim Hausaufgaben machen zu schauen, lief zwischen Einheimischen am Flussufer entlang und konnte einfach tief durchatmen. Natur.


Am nächsten Tag ging es dann nach Khajuraho, einem größeren Dörfchen und Herberge bekannter Kamasutra-Skulpturen in wunderschönen uralten Tempeln. Überall. Meine inkonsequente Tempeltour durch Delhi konnte hier zur Genüge adäquat ersetzt werden und bei schönem Sonnenschein und mit Kamera in der Hand ging es immer wieder staunend um die Tempelchen. Süden, Norden, Osten, Westen, überall Tempel.




Das wohl Beste war jedoch unsere kleine Radtour bei brühender Hitze auf der Suche nach Mowgli. Und ja, wir haben ihn gefunden! Ein kleines Ebenbild vom Bekannten, die Hosenfarbe war jedoch leider nicht rot, aber über Kleinigkeiten sollte man eh hinwegsehen können. Wir fuhren also durch kleine Dörfchen, zwischen Ziegen und Wasserbüffeln, winkend und lächelnd, auf in die stille Natur. Ja, Natur, unberührt und schön, so ganz anders, so friedlich, ohne Stress und wilde Gerüche. Nur Natur und wir mit unseren Fahrrädern. Ein Traum. Gern wieder.


Irgendwie war eh alles friedlicher und mit mehr Lachen versehen; allein solch ein Kinderlachen, wenn man mit ihm Flieger spielt. Schön. Dankbar.




Freitag, 28. Januar 2011

Kollektiv: Januar.

In Deutschland heißt es „April, April, der weiß nich´, was er will!“ Hey, schon mal einen indischen Januar in Delhi erlebt? Nein? Dann wurde etwas verpasst, nimmt sich dieser Monat doch die Eigenheiten der einzelnen mitteleuropäischen Jahreszeiten und lässt sie innerhalb von wenigen Wochen explodieren.

Kaum bricht das neue Jahr an, zeigt sich, dass es nur bergauf gehen kann, dann die Temperaturen pendeln zwischen 0 und 5 °C, wobei nicht zu vergessen ist, dass die Häuslichkeiten in Indien nicht für solche Temperaturen erbaut wurden und somit die Zimmerkälte bei etwa 7 – 10°C in Kombination mit einem Miniheater bei 14°C liegt. Toll, in Deutschland hätte man schon längst beim Mieterschutz angerufen, dem Vermieter gedroht und hier sitzt man mit 5 Lagen im Bett, trinkt Tee und sagt sich: Nur noch eine Woche, bestimmt! Ja, nach einer Woche hat man alle Kälteschmerzen und Frostmomente in der täglichen Rikschafahrt vergessen und lässt Handschuhe, 2 Schichten Kleidung und die Winterjacke daheim und erfreut sich erster Sonnenstrahlen. Was der Mensch selbst entscheiden kann, können die Hunde leider nicht und so tragen sie nun schon seit November, und hier waren es noch manchmal 17°C, ihre Wolldecken, Kleider und Pullover. Schrecklich aussehend und die Begründung: Diese Hunde kennen nur Hitze und erfrieren sonst, finde ich reichlich lächerlich, ist ein Labrador doch auch hier ein Labrador und europäische verzüchtete Rassehunde überleben auch Temperaturunterschiede von mindestens 40°C. Nunja, wer weiß. Zum Grinsen und Erheitern des Gemüts bleibt jedenfalls genug Spielraum, werden schließlich auch noch längst nicht alle Glitzer-Woll-Pullunder der Männer in den schillernsten Farben, wie weihnachtsbaumgrün, aprikosenrosa, lipglosspink, durchzogen mit Goldfäden, ausgezogen. Herrlich. Respekt verdienen jedoch vor allem die Frauen zu dieser Zeit: Die Flip Flops bleiben an den Füßen und lediglich ein Paar Söckchen darf wärmen. So sieht alles weiterhin traditionell schick aus und mit einem Tuch mehr über den Schultern hat man auch gleich die Winterjacke gespart. Warum man sich aber nicht einfach richtige Schuhe anziehen kann, auch nicht die Männer, frag mich immer noch. Wenn das meine Oma sehen würde…

Doch die Temperaturen steigen weiter und schon bald denkt man selbst darüber nach, nicht vielleicht doch schon die Flip Flops heraus zu holen. Aber man kann sich ja auch langsam vortasten, zum Beispiel mit einem Morgenkaffee um acht auf dem Balkon bei dem Gesang zwitschernder Vögel, oder gemütlichem Essen bei real existierendem Sonnenschein in Delhi. Komisch dabei nur, die fallenden Blätter der Bäume, aber irgendwie muss ja auch der Herbst seinen Einsatz bekommen.

Einige Bäume verlieren nun also wirklich Blätter und es windet ein wenig, die Luft riecht nach, den Smog streichen wir ganz kurz in unseren Vorstellungen, nach europäischem Juni, die Kälte ist vergessen und natürlich würde es sich für echter InderInnen nicht lohnen, richtige Schuhe zu kaufen – dauert der Winter ja nur einen guten Monat und dann erfreuen sich auch schon alle an der schönsten delhier Jahreszeit: dem Januar.

Montag, 24. Januar 2011

Varanasi 2.0.

Chaotisch, stinkend, dreckig, anstrengend. So der erste Eindruck Varanasis im September vergangenen Jahres. Habe ich mir jedoch immer gesagt, dass ich noch einmal in diese Stadt fahren müsste – ohne Monsoon, den Ganges als Fluss wahrnehmend, Ghats sehend und alles noch einmal mit anderen Augen sehen könnend. Und ja, die Stadt hat ihren Monsooncharakter beiseite gelegt und sich in bunten Farben, mit verschiedenen leichten Geruchsnuancen und einer gewissen Gelassenheit gezeigt. Der Schmetterling ist aus seinem Kokon geschlüpft.


Statt lärmenden Gassentumulten und schwitzendes Aneinandervorbeischieben, ließen nun Jung und Alt Drachen steigen, sind auf dem Ganges mit Booten gefahren – es gibt sogar Fische! * - , haben Chai am Flussufer genossen, Wasserbüffel gewaschen und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.

Es schien, als würde sich die Stadt bei allem auf einmal mehr Mühe geben. Während der Pooja waren zahlreiche Kerzen auf dem Ganges, es wurde lang und laut dazu gesungen, der Fluss selbst färbte sich in den verschiedensten Tönen, die Sonne lies Sommersprossen im Januar schießen, die Ghats waren nun wirklich existent und luden zum Spazieren am Fluss ein und es schien, als wären viel weniger Menschen vor Ort.


Spirituelle Schwingungen habe ich auch diesmal nicht spüren können, dafür jedoch eine angenehme und wohltuende Entspanntheit.

Eine Gelassenheit in einer Stadt, die wohl mehr Motive und Bilder bietet, als irgendeine andere, Unbekanntes offen hält, sympathisch anstrengend ist und entdeckt werden will. Ich mags.


  
 
* An dieser Stelle des Ganges befinden sich etwa 400 x mehr Colibakterien als das offizielle Maximum der Grenze zur Gesundheitsgefährdung erlauben würde und stellenweise gibt es auch keinen gelösten Sauerstoff.

Dienstag, 18. Januar 2011

Montag, 3. Januar 2011

Sinn:voll.

Meist wird behauptet, Indien zeichnet sich durch seine Farben aus, da es unglaublich bunt sei. Ich leben nun jedoch im Norden und empfinde eher die Kleidung der Frauen, vor allem in Rajasthan als bunt und natürlich den vereinzelt zu sehenden Kitsch der Hindus. Für mich persönlich ist Indien eher ein Land, welches mit allen Sinnen wahrgenommen werden will. Es bombadiert einen förmlich, will aufgesogen und verarbeitet werden, mehrperspektivisch, mit allen Extremen und Besonderheiten. Es kann in jeder Minute überfordern, durch seine Vielfältigkeit und enorme Abwechslung. Wir haben: Hören, Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken und für alle Fälle wahrscheinlich wirklich einen sechsten Sinn, um alles zusammen zu ordnen, systematisieren, realisieren.

Auf der Straße hörst du das Verkehrschaos, auf den Märkten werden dir jegliche Dinge mit den verschiedensten Stimmen angepriesen, hörst Rikschafahrer sich gegenseitig beleidigen und Kinder auf der Straße lachen. Und dann bist du fernab von allem, vielleicht abends im Bett, und spürst, wie sich deine Ohren anstrengen, da du einfach nichts mehr hörst...

Du siehst Frauen in ihren wunderschönen bunten Saris, dann das dreckige OldDelhi oder die Neben- und Hinterstraßen in jedem anderen Gebiet, siehst Affen, welche sich um eine Nuss streiten und Menschen die in einem Tempel meditieren und die Welt vergessen. Du läufst hier ständig um eine Ecke und dir wird eine völlig neue Welt gezeigt, welche du dir vorher nicht hättest vorstellen können.

Du fühlst den Dreck und Staub auf deiner Haut und später den angenehmen Wind, wenn du in einer Rikscha sitzt. Du fühlst die schönen Stoffe auf deiner Haut und gleichzeitig die Kinder, welche an dir ziehen. Und du spührst, wieviel Kraft es dich kostet und wieviel du durch ein Lächeln geschenkt bekommst.



Du riechst ständig die Abgase, den Müll und den Urin auf den Straßen und kannst dich diesem nicht entziehen und dann riechst du all die Gewürze in den Straßen, das frische Essen, welches an jeder Ecke verkauft wird, den Duft von einem Chai in nächster Nähe und kannst all dies gar nicht richtig einordnen.



Und wenn man ein Land schmecken kann, dann wohl Indien, ist es doch allein das Essen wert, welches ständig aufs neue die unvorstellbarsten Geschmacksexplosionen offenbart und immer wieder überrascht. Nelken, Kadamon, Ingwer, Chilli, Zwiebeln zusammen mit Kokosnuss, Knoblauch und unendliche Gewürze, deren Namen ich nicht kenne, harmonieren und explodieren.


Nun denn, hätten wir einen sechsten Sinn, könnte dieser wohl wirklich helfen, alles zusammen in Worte fassen zu können und vor allem die richtigen Worte zu finden; passender als Sinnexplosion und Sinnüberforderung...

Es ist so viel, so anders, so extrem.

Chilli-House.



Es hat mich 5 Monate gekostet, aber nun habe auch ich endlich jenen Teil OldDelhis finden dürfen, welcher der Inbegriff indischen Gewürzhandels in Delhi ist: das Chilli-House im Spice Market. Ohne Hilfe nicht zu finden, wurde uns eine Treppe in einer Straße OldDelhis gezeigt, welche in ein unglaublich großes Gebäude der Mogulzeit führte und von Beginn an einen unglaublichen Geruch beherbergte – Chilli. Auf jeder Etage tummeln sich Menschen um Säcke mit verschiedensten Chillisorten, tragen diese umher, handeln, verkaufen, fühlen, schmecken. Stufe um Stufe geht es nach oben, einladend wirkt es nicht, aber möglich und irgendwann stehen wir auf dem Dach und blicken über OldDelhi. Sehen das Red Fort, die Jama Masjid, Hochhäuser am Connaught Place, das wilde Treiben auf den Straßen unter uns und haben immer noch den Duft des Chilli in der Nase und Staub- und Gewürzpartikel im Hals. Nehmen eine seltene Perspektive ein und sind mitten drin.

Besuch.

Ja, meine lieben Ellis haben mich für eine Woche besucht, um zu erfahren, wie es hier denn nun ist und wie sich die Welt hier dreht. Sie wurden in den indischen Alltag geworfen, ohne Verniedlichung oder Vorbereitung und durften staunen, sich wundern, den Kopf schütteln und feststellen, dass Indien absolut den Vogel abschießt. Neben Delhi stand Agra mit dem Taj Mahal und die Suche nach Tigern im Ranthambore Nationalpark – leider vergeblich - auf dem Plan.

Da auch für mich diese Woche anders als gewohnt war, lasse ich lieber Bilder sprechen.
 













Oh du Schreckliche!

So viele sprechen von der Weihnachtsgeschichte, vom Fest der Nächstenliebe und der Familie, einem Tag, an welchem jedeR Liebe, Hilfsbereitschaft und Empathie aus vollem Herzen verschenkt und an andere denkt. Aber es gibt auch andere wahre Weihnachtsgeschichten...



... und dann war auch bei uns in der Wüste Weihnachten und wir dachten doch wirklich, den Heilig Abend im Zug gen Delhi verbringen zu können. Aber wie wir ja nun wissen, kommt es hier erstens anders und zweitens als man denkt...

Mit blauen Flecken und Schmerzen versehen, welche wir uns als Erinnerung an die Kamelsafari mitgenommen haben, erreichten wir wieder Jaisalmer und hofften auf eine heiße Dusche. Es gab kein warmes Wasser. Gut, kann passieren, auf nach Jodhpur mit dem Bus. Dort angekommen sind wir noch nichts ahnend umhergewandelt und haben uns auf die Heimreise gefreut – 6:30 Uhr wieder Delhier Asphalt unter den Füßen... von wegen... Unser Zug wurde gecancelt und das Drama war wirklich enorm, Superlative des Schreckens an jeder Ecke, Unverständnis welches seines Gleichen sucht und mitten drin zwei weiße Mädels, die doch einfach nur weg wollten. Tickets stornieren, neue kaufen, in den Zug steigen – so die Theorie, doch wurden wir von Schalter zu Schalter geschickt, man hat einfach nicht mit uns gesprochen, uns aus Jucks und Tollerei keine Tickets verkauft, angestarrt, angefasst, angelabert und einfach zwischen hunderten Männern stehen, mit Frauen streiten und unsere Nerven dahinschwinden lassen. Wir wollten einfach nur weg, zurück, so schnell wir möglich und keine weitere „Frohe Weihnachten“-SMS bekommen! Ab zum Busbahnhof, mittlerweile war es 22 Uhr, die Frauenquote überstieg den 5%-Satz kaum und wir hofften wieder auf ein Ticket. Grundlos wurden wir wieder ignoriert, bekamen keine Tickets und waren selbst nun wirklich nervlich am Ende und verabscheuten alles... Lange Rede, kurzer Sinn – am Ende saßen wir in einem Taxi nach Jaipur, um dort am frühen Morgen den ersten Bus nach Delhi bekommen zu können. Aber hey! Alle guten Dinge sind 3 und man wollte uns auch hier keine Tickets verkaufen, aber nach Wut, Tränen und sinnlos lauten Diskussionen saßen wir morgens um 7 im Bus, endlich.

Weihnachten war gegessen, aber wir konnten über Geschehenes lachen und weiter den Kopf schütteln, immerhin hatten wir nur 27 Stunden für 800 km gebraucht...