Sonntag, 27. März 2011

Holi Shit, ey.

Oh man! Frühlingsfest in Indien: Holi, das Farbenfest, ein Tag, an welchem sich Groß und Klein, Alt und Jung mit Farben bewirft, sich jene ins Gesicht schmiert, sich bombadiert und viel lacht.
Wir durften jenes Fest in Hampi erleben und hatten somit einen internationalen multikulturellen lachenden tanzen und musizierenden Pulk bunter Menschen. Schön wars. Es ist vielleicht ein wenig schwer zu beschreiben, da es für alt eingesessene ordnungsliebende Menschen wohl die Reinkarnation des wilden, nicht zu bändigenden Kindes ist, doch ist es einfach nur pure Freude, verbunden mit indischer Herzlichkeit. Schön wars.
Leider ist es wohl vor allem für Deutschland eine utopische Flusel, so etwas in die Tat umzusetzen: Wer ist verantwortlich hierfür, wer macht das sauber, wer stellt jenes zur Verfügung und welchen Sinn hat dies überhaupt?! Es würde wohl doch gut tuen. Ein wenig Leichtigkeit des Seins im ordnungsliebenden Alltag. Schön wärs.

Schön wars aber.



Hampi.

Heaven on Earth. Ja, es gibt einen Himmel auf Erden - dieser Platz liegt im Süden Indiens, versteckt in der Pampa, ist winzig und von Wasser durchflossen. Sucht man einen Platz, um glücklich zu werden, könnte dieser hier seine Wurzeln austrecken. Zwischen Palmen, Reisfeldern und Bananenplantagen lässt mensch die Gedanken frei, bekommt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, spürt die vermeintliche Leichtigkeit des Seins und steht, läuft, ist einfach im Hier und Jetzt, nirgens sonst. Vergisst Stress, rasende Technik, schwindelerregend hohe Bauten modernen Wahnsinns, ebenso eben jenen Wahnsinn, atmet ein und atmet aus, ganz ohne Druck, ohne Pflicht, einfach so, zum Sein.


Von Hanuman geschaffen, so die Theorie, entstand doch wohl vielmehr die Definition der Farbe Grün. Leider ist es gar nicht möglich, jenes Grün mit der Kamera einzufangen, dessen Weite und Leuchtkraft jenes Grün verschiedenster Farbpaletten in Farbkästen oder in Bildbearbeitungsprogrammen übertrifft. 

  

Es ist auf jeden Fall ein weiteres Wohlfühlörtchen auf der indischen Landkarte, dessen Hängematten zum Lesen und Verweilen einladen, zum Zeit- und Weltvergessen - eine Art Winter-Oase für das spätere RentnerInnendasein, mit eigener Bananenplantage, Stift und Zettel zum eigenen Schreiben und Zeichen, zum genießen und freiem Ein- und Ausatmen. 

Doch eigentlich, ganz ehrlich, ist es doch der Schauplatz des Dschungelbuchs. Wer dies mag, wird Hampi lieben. Sofort.

Mittwoch, 9. März 2011

Dilli. Mujhko passant hai.


Nun bin ich vor mehr als sieben Monaten in Delhi gelandet – einer Riesenstadt mit Millionen Menschen und zu oft zu wenig Platz. Nun sollte diese auch mich beherbergen – kein Kind von Traurigkeit oder Schüchternheit, doch eher kleinere Städte bevorzugend. Nun denn.

Eine Eingewöhnungsphase blieb mir dank vieler toller Menschen und tollen Arbeitsplatzes fern und diese Stadt wurde zum neuen zu Hause. Im Naherholungs- und Wohngebiet Gulmohar Park wurde viel Kaffee getrunken, dabei das Grün drum herum beäugt, Vögel und Hörnchen beobachtet und vergessen, dass ich in einer der größten Städte überhaupt wohne. Doch was sind schon Größen und Entfernungen… Drei Kilometer liegen in der näheren Nachbarschaft, 25 Kilometer wären einmal durch die halbe innere/mittlere Stadt und Zeit und Entfernung spielen im Grunde keine Rolle mehr. Ich bin, denke ich, entspannter und gelassener geworden, meine Pläne für dies und das bestehen immer noch, doch wurde mehr Platz für Veränderung geschaffen. Wenn nicht heute dann vielleicht morgen oder irgendwann. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Immer indisch, aber alles möglich. Alles.


Man durfte täglich kämpfen, um Kleinigkeiten, Gleichberechtigung, 5 Cent, Verständnis. Hat so viel gewonnen, ein Lächeln, sein Ziel erreicht und so viel mehr. Man wurde härter, vielleicht oftmals auch unfreundlich, selbstbewusster. Man muss zu sich selbst stehen – ich mag mich – und aufhören Vergleiche zu ziehen.

Ich habe Lieblingsplätze gefunden, Orte, die mich immer wieder aufs Neue faszinieren, nicht langweilig werden und jedes Mal von einer neuen Seite gesehen werden. Ich konnte wandeln zwischen Orient, muslimischem Hinterland, modernem Wahnsinn, alltäglichem indischen Chaos, europäischen Oasen, arabischen Gassen, hinduistischen Tempeln und bei allem ein neues Zeitverständnis wahrnehmen, kulturell aufeinander prallen, teils verschmelzen, teils abstoßen und bei allem glücklich sein.

Einfach verindert, glücklich und zufrieden.


Dienstag, 1. März 2011

Dharamsala II.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Es sollte für mich natürlich auch hinaus in die Natur gehen, eine Art Pseudowandertour, und es endlich wieder einmal auskosten, dass man sich wirklich bewegen kann. Pro Tag hatte ich nun meine, immerhin, 10 km-Asphalt-Wanderung die Berge hinauf und kam somit schnell auf ein Pensum, für welches ich in Delhi wohl mindestens eine Woche brauchen würde. Genial, dankbar jeden Schrittes konnte ich strahlen umherwandeln. Mein erster Ausflug führte mich zu einem Wasserfall, welcher zu jener Jahreszeit jedoch eher einem Rinnsal glich, einen längeren Aufenthalt nicht wert war und natürlich von einem plötzlichen Wetterumschwung überschattet wurde – es regnete, hagelte, schneite. Aber hey! Ich hatte Schnee! Yeah! Bald standen mir jedoch zu viele junge Inder mit unter meinem Unterschlupf und so wurde kurzerhand meine liebevoll, bis zum letzten Windhauch genutzter pinker Regenschirm herausgeholt und ich wurde zum bunten Farbkleks im verregneten grau-grün der Berge. Da macht doch alles gleich viel mehr Spaß!


Mein zweiter „erfolgloser“ Ausflug ging hinauf zum Dal-See. Meine Assoziation hierzu waren wie folgt: Genial. Bergsee. See mit Bergen drum herum. Ruhe. Entspannt sitzen und lesen/schreiben. See mit Wasser. Natur. Schön. Nunja, sagen wir es so: Drum herum waren schon Berge, aber näher als diese doch verschiedene Dhabas mit Tee und Essen, in der reinen Natur war er somit auch nicht und ruhig war es auch nicht. Zu allem Überfluss war der See jedoch nicht einmal ein See, sondern eher eine von Steinmauern umsäumte Schlammwanne mit Kühen darin. Auch hier wollte ich mich nicht länger aufhalten, wozu auch, war es ja kein See…

Aber wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel. Und die Wege waren toll, so ruhig und einsam, fast ganz ohne Menschen.


Der angebliche Dal Lake

Dharamsala I.

Leben.Exil.Tibet.



Ach, ich liebe die Berge, jawohl, sie sind mir mit das Liebste, was ich bisher in Indien erleben durfte. Allein die stetige Annäherung an das Ziel in den Bergen ist es wert – die Natur wird grüner, zwischen Laubbäumen stehen Palmen und drum herum wildes Geflecht, die Hunde werden kompakter, sehen gesünder aus, bekommen längeres Fell und sind einfach Hund, die Luft wird reiner und die Menschen geringer. Schön.

Diesmal war ich nun in Dharamsala, Exilheimat des Dalai Lama, Exil für unendliche TibeterInnen und Wohlfühl-Dörfchen auf 1800 Metern. Was will man mehr?!


Es mag fast ein wenig gemein klingen, aber die Bergmentalität unterscheidet sich doch recht deutlich von der Flachlandmentalität – Man wird nicht von jeder Seite angesprochen, die Einheimischen interessieren sich nicht die Bohne darum, ob die Menschen, welche an ihnen vorbei laufen weiß, kariert oder lila-gelb-blinkend sind, wollen somit auch keine Fotos ergattern, sondern lächeln einen einfach nur an, grüßen und sind schlichtweg freundlich. Ach, wie schön so etwas doch ist…

Am ersten Tag saß ich relativ lang im Kloster der buddhistischen Mönchen und beobachtete ihr morgendliches Treiben – Sie meditieren in Ruhe, lassen die Gebetswimpel im Winde wehen und drehen die Gebetsmühlen um ihre Gebete, Wünsche und Hoffnungen in alle Himmelsrichtungen der Welt zu verschicken, sie diskutieren in gemeinsamer Runde; und bei allem unglaubliche Ruhe, Zufriedenheit und Friedlichkeit vermittelnd. Einige kamen sogar zu mir, um einfach Guten Morgen zu sagen – weiß nicht, wann ich so etwas das letzte Mal erlebt habe…


Außerdem habe ich mein gefährliches Halbwissen gegenüber der Tibet-China-Problematik etwas aufbessern können, bin dafür recht dankbar und gleichzeitig etwas enttäuscht, dass einfach so wenig gen Osten und Westen vermittelt wird. Es passiert einfach so viel Geschichte im Raum Tibet/Nepal und Umliegendes und was wissen wir davon? Zu wenig, leider. Ein kurzer Augenschlag an Information in fünf Jahren, kurze Proteste auch in Europa, doch dann liegt das Interesse schnell wieder Wirtschaft, Konsum und Affären von Promi A bis Promi B, welche nun Geld wollen… und weiter in den Bergen, fern ab von Wirtschaftswachstum, Konsumgütern und Promieskapaden sterben Menschen und werden aus ihren Dörfern vertrieben. Dass etwas falsch läuft, merkt man schnell…


Gleichzeitig habe ich endlich Forget Kathmandu fertig lesen können, ein Buch über den Wunsch nach Demokratie in Nepal. Passend. Ermattend. Wahr.

Eine Busfahrt, die ist...

Habe ich nun schon über die indischen Zugfahrtmöglichkeiten geschrieben, muss ich nun auch anderen Fortbewegungstechniken gerecht werden, und einige Zeilen dem Busfahren widmen.

Wer Zugfahren in Indien spannend findet, saß noch nie in einem Bus, welcher durch und über das Land fährt. Anders als im Zug, ist einem der Sitzplatz nicht hundertprozentig gewiss, und ob man überhaupt ankommt ebenfalls nicht. Um alles ein wenig besser beschreiben zu können, dachte ich mir, ein wenig von den ereignisreichen Fahrten zu erzählen.

Die erste denkwürdige Fahrt führte uns von Manali zurück nach Delhi und ist schon ein wenig kultig geworden, denn was könnte wohl passiert sein, wenn auf einmal der Bus mitten auf der Straße stehen bleibt? Bus kaputt, richtig. Diese Antwort sollten wir noch öfters erhalten, doch ist es weniger motivierend, wenn bei all dem nichts passiert. Und hiermit meine ich wirklich: Nichts passiert. Man macht es eben indisch, setzt sich an den Straßenrand, schaut auf den Bus oder in die Dunkelheit und wartet, bis jener von allein wieder anspringt. Zweimal funktionierte diese Methode unfassbarer Weise auch, doch beim dritten Mal war es das dann endgültig und es regte sich nichts… Kurzum: Die letzten rund 300 km wurden mit dem Taxi zurückgelegt, um nur mit acht Stunden Verspätung Delhi zu erreichen.

Legendär zum Zweiten: Jodphur – Jaisalmer. Schon bekannt, deswegen nur noch einmal kurz erwähnt: wir saßen in einer Art Gepäckablage, hinter Scheiben gesichert, zusammengequetscht, aber in unserem eigenen Reich, fernab der Klaustrophobie vermittelnden Zusammengepresstheit unter uns und oben auf dem Dach. Spaßig war es dennoch.

Zum Dritten: der Überlandbus. Ähnlich der A1 in Marburg vom Hauptbahnhof zum Richtsberg – Leute steigen ein, steigen aus, mal mehr Platz, mal weniger Platz, Ticket gibt es im Bus und es dauert mal mehr und mal weniger lang. Diesem fügen wir jetzt noch feldwegartige Straßen hinzu, einen auseinanderfallenden Bus, dessen Bankabstände indischen GebirgsbewohnerInnen angepasst waren (es war mir einfach unmöglich meine Beine und meinen Sitz harmonierend zu verbinden) und eine typisch indische Lautstärkenmentalität. Juche, nicht für jedermann und jederfrau, aber ein Erlebniss schlecht hin. Ach und: natürlich gibt es keine Toilettenpausen für weibliche Mitfahrende und so lernt man doch recht gut, die Gesetze seines eigenen Körpers zu unterbinden, die mentale Macht zu ergreifen und Ankünfte am Ziel noch höher zu schätzen.

Goldener Tempel.

Einen Hauch von der pakistanischen Grenze entfernt, befindet sich das unübersichtliche Amritsar und mittendrin das Heiligtum der Sikhs – der Goldene Tempel. Dieser wollte gesehen werden und nach vielen Anläufen habe ich es nun auch endlich geschafft, mich gen Tempel in den Zug zu setzen.

Leider hat das Wetter nicht richtig mitgespielt und es fehlte die Sonne zum anstrahlen des, kleiner als gedachten, Tempel im See der Gurdwara in Amritsar. Dennoch: tolles Feeling, man konnte schön beobachten, tolle Stimmung mit den Wolken und einfach ein weiteres Heiligtum einer Religion, welches begutachtet werden konnte, um später bewerten und einordnen zu können.