Leben.Exil.Tibet.
Ach, ich liebe die Berge, jawohl, sie sind mir mit das Liebste, was ich bisher in Indien erleben durfte. Allein die stetige Annäherung an das Ziel in den Bergen ist es wert – die Natur wird grüner, zwischen Laubbäumen stehen Palmen und drum herum wildes Geflecht, die Hunde werden kompakter, sehen gesünder aus, bekommen längeres Fell und sind einfach Hund, die Luft wird reiner und die Menschen geringer. Schön.
Diesmal war ich nun in Dharamsala, Exilheimat des Dalai Lama, Exil für unendliche TibeterInnen und Wohlfühl-Dörfchen auf 1800 Metern. Was will man mehr?!
Es mag fast ein wenig gemein klingen, aber die Bergmentalität unterscheidet sich doch recht deutlich von der Flachlandmentalität – Man wird nicht von jeder Seite angesprochen, die Einheimischen interessieren sich nicht die Bohne darum, ob die Menschen, welche an ihnen vorbei laufen weiß, kariert oder lila-gelb-blinkend sind, wollen somit auch keine Fotos ergattern, sondern lächeln einen einfach nur an, grüßen und sind schlichtweg freundlich. Ach, wie schön so etwas doch ist…
Am ersten Tag saß ich relativ lang im Kloster der buddhistischen Mönchen und beobachtete ihr morgendliches Treiben – Sie meditieren in Ruhe, lassen die Gebetswimpel im Winde wehen und drehen die Gebetsmühlen um ihre Gebete, Wünsche und Hoffnungen in alle Himmelsrichtungen der Welt zu verschicken, sie diskutieren in gemeinsamer Runde; und bei allem unglaubliche Ruhe, Zufriedenheit und Friedlichkeit vermittelnd. Einige kamen sogar zu mir, um einfach Guten Morgen zu sagen – weiß nicht, wann ich so etwas das letzte Mal erlebt habe…

Außerdem habe ich mein gefährliches Halbwissen gegenüber der Tibet-China-Problematik etwas aufbessern können, bin dafür recht dankbar und gleichzeitig etwas enttäuscht, dass einfach so wenig gen Osten und Westen vermittelt wird. Es passiert einfach so viel Geschichte im Raum Tibet/Nepal und Umliegendes und was wissen wir davon? Zu wenig, leider. Ein kurzer Augenschlag an Information in fünf Jahren, kurze Proteste auch in Europa, doch dann liegt das Interesse schnell wieder Wirtschaft, Konsum und Affären von Promi A bis Promi B, welche nun Geld wollen… und weiter in den Bergen, fern ab von Wirtschaftswachstum, Konsumgütern und Promieskapaden sterben Menschen und werden aus ihren Dörfern vertrieben. Dass etwas falsch läuft, merkt man schnell…
Gleichzeitig habe ich endlich Forget Kathmandu fertig lesen können, ein Buch über den Wunsch nach Demokratie in Nepal. Passend. Ermattend. Wahr.