Montag, 18. Oktober 2010

Window on the right side please.

Ist man in Nepal und muss wieder zurück nach Delhi, gibt es einen wichtigen Aspekt, welchen man niemals vergessen sollte.

Ja in Nepal gibt es keine Züge und ja, man sollte müsste könnte fliegen. Und ja! Man muss fliegen! Aber bitte: Rückflug Fenster rechts! Zum einen sieht man Kathmandu noch einmal recht schön in seiner Eigenart, aber zum einen wartet man eh nur auf die bald sichtbaren Berge. Und mit Bergen werden hier die 8-tausender gemeint, welche ihre Gipfel über den Wolken in voller Sonnenpracht erscheinen lassen. Eine ganze Kette von Faszination, auf Augenhöhe mit den höchsten Naturgewalten der Welt, auf dem Dach der Welt, höher und besser geht es demnach nicht und dann. BAM! Der Mount Everest, der Höchste, der Bekannteste, der Schönste ist schwer zu sagen, eben einfach der Mount Everest. Sagen umwogen, faszinierend auf seine eigene Art und Weise und einfach so nah und da…!




Kathmandu. So schön.

Oh wie fabelhaft, ja fabelhaft! Auf nach Nepal, mitten in den Himalaya, wenn auch nicht so hoch gelegen, rein nach Kathmandu! Dachte ich doch, dass Nepal nicht so verschieden zu den hügeligen Regionen in Indien sein kann, sind die Menschen doch wesentlich offener und irgendwie moderner in Bezug auf die Kombination von Kultur und täglichem Leben oder auch gegenüber AusländerInnen, wie meine eins…
Ich konnte also von früh bis spät frei umher wandeln, Zeit genießen, Leute beobachten und angrinsen, fotografieren ohne mich komisch zu fühlen und ich sage es gern noch einmal, da es mir doch des Öfteren sehr fehlt: frei umher wandeln und das allein. Toll! Ich konnte also einmal quer durch die Stadt, hoch auf eine Stupa, wie ins Getümmel der Altstadt und und und. Fein.
Man läuft demnach, je nach Schrittgeschwindigkeit, Minuten oder Stunden durch enge verwinkelte Straßen, welche den Weg zwischen uralten, bunt bemalten, hohen und verzierten, mit winzigen Eingängen versehen Häuschen bahnen. Aus den kleinsten Ecken tönt buddhistische Medidationsmusik, Kinder lassen Drachen steigen und überall gibt es frischen Ingwer, Knoblauch und Früchte der Saison zu kaufen. Schritt für Schritt läuft man nach oben, vergisst Zeit und Ort, lässt sich von der Umgebung tragen und sieht irgendwann eine unglaublich farbenfrohe Stupa vor sich auftauchen. Stufe für Stufe und Treppe für Treppe geht es nach oben – vorbei an goldenen und bunten Buddha-Statuen, vielen Äffchen und Affen und Mönchen. Die Stupa an sich ist dann eine wundervolle Anlage, voll von kleinen Tempeln, der Stupa mit den Augen Buddhas, Hunden und Affen, tollen Klängen und Gerüchen und irgendwelchen unsichtbaren Schwingungen, die ein Gefühl der Zufriedenheit hervorrufen. Einfach nur da sitzen, den Wind genießen, die Mönche beobachten und an nichts denken. Wundervoll.


Und dann die Altstadt und Patan, Lalitpur – ein Traum. Man denkt sich nichts, läuft um eine Ecke und ein riesiger Platz voll mit Tempel taucht auf einmal auf. Alle aus Holz, überall Räucherstäbchen und Menschen, welche diese Plätze als Treffpunkt, Erholungspunkt oder ähnliches nutzen und die Abendstunden genießen. Friedliches Treiben inmitten von religiösen Bauten ohne einen Anspruch auf Religiosität – so der Anschein.


… und bei alle dem ist die Stadt vom Himalaya umgeben, sicher in einem kleinen Tal und offen für die umgebende Natur mit all ihren Facetten und Eigenarten, die entdeckt werden wollen.

Manali

Ein Katzensprung auf der Landkarte und nur 17 Stunden Busfahrt von Delhi entfernt, liegt im Kullu-Tal das kleine, aber feine Manali. Mehr Touristen als Einwohner, mehr Restaurants als Supermärkte, mehr Selbstfindungsmöglichkeiten als Auskunftsmöglichkeiten und Berge! Überall Berge in den verschiedensten Vegetationszonen – von Palmen bewachsen, über Alpenflair bis hin zu schneebedeckten Gipfeln, lässt sich alles finden.



Aber warum denn nun gerade Manali?! Ja, es steht sowohl im Lonely Planet, als auch im Stefan Loose und ist somit schon längst kein Geheimnis mehr, aber es ist einfach der Beginn in die richtigen Berge, Beginn der zweithöchsten Straße im Himalaya, Startpunkt für Wanderungen und Trekking-Touren und Auffangstation für Althippies, Möchte-gern-Hippies, Menschen auf der Suche nach Erleuchtung (Wie kann man in einer Touristenstadt sein neues Selbst finden?), hängen gebliebene Backpacker, und uns - raus aus der Großstadt, rein in die Natur.
Und ja, welch Natur es doch gibt! An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass wir auf unserer „Wanderung“ wohl bisher unberührtes Gebiet betreten haben und an dieser Stelle noch nie jemand nach Erleuchtung gesucht hat; schlecht für jene, waren wir doch weg von allem, allem und jedem – nur die Kühe blieben uns treu. Frei bewegen, saubere Luft, keine Menschen – schön, einfach schön.
Ansonsten ist es aber faszinierend, wie die alteingesessenen Einwohner Manalis ihren gewohnten Alltagstrott zwischen den ganzen Halbspirituellen nachgehen können, Heu machen, Tücher weben, im Mist rumkrabbeln, und einfach nichts machen… Was soll man aber auch mitten in den Bergen machen? Wandern ist für Einheimische zu anstrengend und Natur ist im Allgemeinen ja eh gefährlich, außer es ist ein Zaun darum und alles andere ist zu suspekt oder zu teuer. Dennoch. Ich denke die Menschen leben ihr Leben auf ihre Weise in wirklich vollen Zügen und schauen einfach, wie das Wetter wird. Gelassenheit, die in der Großstadt fehlt, sollte man sich hier in Massen zum Sparpreis mitnehmen.



Freitag, 1. Oktober 2010

Eine Zugfahrt, die ist...

Ja, auch diesem Teil des indischen „Jubel.Trouble.Heiterkeit“s-Leben sollten ein paar Zeilen gewidmet sein, nimmt es doch nicht wenig Zeit in Anspruch. Zug fahren. Fahren, um von A nach B zu kommen, um die Landschaft kennen zu lernen, seine Nerven zu testen, zu schlafen und vieles mehr. Es ist immer wieder eine Art Überraschungs-Ei: Man weiß, dass man es bekommt, aber wann ist die eigentliche Frage, als Äquivalent zur ach so leckeren Schokolade nehmen wir die Tatsache, dass es immer sehr viel Essen gibt, es immer komisch riechen mag, immer viele Menschen auf wenig Sitzen Platz finden und man weniger trinken mag, um weniger auf die Toilette zu müssen. So sicher, wie man sich der Schokolade beim Ü-Ei sein kann, kann man sich diesen Dingen beim Zug fahren. Tja und dann die eigentliche Überraschung… oh ja. Wie wird denn die Fahrt wohl werden; was wird sie beinhalten, was wird passieren?! Spannend?! Irgendwie schon. Werden riesige Strahleaugen kleiner Kinder zum Grinsen auffordern, wird eine Familie einen zum Mitessen animieren, wird man angestarrt wie ein Tier im Zoo, das erste Marsmännchen beim Kaffee der Queen oder eben wie eine Europäerin…? Wer weiß das schon. Man weiß also nie, wie witzig, interessant, nervig, unangenehm, entspannend, … eine Fahrt werden wird – die Überraschung eben. Und jedes Ü-Ei besitzt ja auch eine Art Folie, die es umschließt, eine sichere Hülle, irgendwann weg und dennoch da. Ja, um die Züge herum erstreckt sich eine unglaublich weite Landschaft, kleine Dörfer mit Unmengen Kühen, kleinen spielenden Kindern, Frauen auf dem Feld, Büffel im Wasser, grüne Wiesen, kahle Berge und irgendwann ist man wieder in einer Stadt und die Landschaft ist weg, aber man weiß ja, dass sie da ist…


Jedenfalls mag man, ebenso wie ein Ü-Ei, immer wieder eine neue Zugfahrt genießen: sehen was kommt, abwarten was passiert und gespannt auf all dies warten...