Nach einer Nacht im Zug sollten wir nun endlich die heiligste Stadt der Hindus – Varanasi – erreichen. Unglaubliche Schwüle, gleich einsetzender Regen und Menschen über Menschen redeten auf uns und alle anderen Ankömmlinge ein. Stop Halt Warten – ich möchte bitte erst einmal ankommen. Danke.
Varanasi sollte sich also als ein unglaublich chaotisches, verwinkeltes, aus winzigen Gassen, in denen es nicht selten heißt: Kuh oder Mensch, bestehendes Städtchen am Ganges erweisen. Ruhe scheint ein Fremdwort zu sein und hinter jeder Ecke entsteht eine neue kleine Welt. Es ist schwer zu beschreiben, ob dies beeindruckend und toll oder eher nervig und anstrengend sein soll, aber diese Interpretation sei jedem Menschlein selbst überlassen. Und dann der Ganges – eher einem See oder mindestens der Mündung ins Meer ähnelnd, erstreckt er sich während der Monsoonzeit auf eine unglaubliche Breite, die sogar Teile der ghats am Ufer verschluckt. An den ghats herrscht dennoch ein reges Treiben, wenn es um die heiligen Waschungen, das simple Waschen der Kleidung oder allabendlich der Puja geht. Jeden Abend gedenkt man durch Gesänge, Kerzen und Feuer der Verstorbenen – eines der wichtigsten hinduistischen Rituale; doch in Varanasi von Touristen gestört, wie ich finde… Anders jedoch die täglichen ununterbrochenen Verbrennungen – ein Alltagsbild in Varanasi: Männermengen laufen singend durch die Gassen und umgeben mehr oder minder eine Trage unter welcher der/die Verstorbene, unter einem rot-gelb mit KlimBim behangenen Etwas und sonstigem Allerlei, aufgebahrt ist, zur Verbrennungsghat. Unmengen Holz, Tücher gegen den Geruch und Warten. Nicht nur wegen dem Rauch wird wohl der Sinn nach reden genommen, vielmehr schreckt die Vorstellung davon ab zu wissen, was gerade wenige Meter entfernt passiert. Es ist einfach unheimlich religiös und bringt den/die VerstorbeneN direkt ins Nirvana - dem Glauben nach. Der Anblick der Hunde im flachen Ganges, welche zwischen Allem etwas Fressbares suchten und schnell fanden, relativiert die ganze Zeremonie für mich jedoch um Einiges und erinnert daran, was im Ganges wohl alles so zu finden wäre…
Doch es gibt noch andere Seiten Varanasis – zum Beispiel ist es im Grunde nur ein großes Dorf und es nicht unwahrscheinlich, dass man verschiedene Menschen immer wieder trifft. Diese helfen, sich zurecht zu finden, wollen alles zeigen, unterstützen jeden in den verschiedensten Unternehmungen, aber nerven eben auch auf ihre Art und Weise. Immer und überall präsent, ständig um einen herum und sie nehmen nahezu die Luft zum Atmen, aber so läuft es wohl – Fremde verlaufen sich und werden gefunden und nur schwer wieder losgelassen. Macht doch aber das Verlaufen auch so viel Spaß, da man so unglaublich viele tolle Ecken mit dem sinnlosesten und unnützesten Allerlei, was Indien zu bieten hat. Wunderbar.