Dienstag, 21. Dezember 2010

Khirkee.


Saket Mall und Umgebung.

Du verlässt das Gelände der Saket Malls, streckst die Hand heraus, um eine Riksha zu bekommen und scheust den Blick zur anderen Straßenseite, oder siehst du sie nicht? Auf jener anderen Seite ist, wie so oft, eine andere Welt. Ackerland, Wellblechhütten, Ziegen, Kinder, welche mit Steinen Cricket spielen. So der erste Eindruck, wenn man es wagt, auf die andere Seite zu schauen. Khirkee, und vor allem Khirkee Village, ist ein Labyrinth aus Gassen, welche, wie so oft, alles beherbergen, was man sich vorstellen kann – hinter einer Ecke entdeckt man eine Schule, dann einen Markt, eine noch engere Gasse mit Papierverkäufern, Flaschenhändlern, ein Metzger neben einem Schneider; alles eben auf einmal in viel und laut und anders, aber gewohnt.

Müllberg.

Im Gegensatz zu vielen anderen Vierteln der Stadt, ist Khirkee ein unauthorisiertes Gebiet, welches von Muslimen und Hindus gleichermaßen beansprucht wird, Korruption findet hier ebenso viel Platz, wie das typische indische Leben auf der Straße. Es wächst und zerfällt in einem ungemeinen Tempo, steht niemals still, lebt mit den Menschen. Lebt von den Menschen; auf der anderen Straßenseite. Leben mit ihrer Religion; nebeneinander, dicht an dicht, Konversation per Augenschlag. Ein Lächeln und Lachen, Freude über die kleinen Dinge im Leben, lebendig auf der anderen Seite.


Stolz auf´s Zicklein.
Beten.

Montag, 6. Dezember 2010

Landmasse.

Sie haben nur einen winzigen Anteil an Bildung genossen, wenn überhaupt; können vielleicht ihren Namen schreiben und kennen nicht das Indien, welches die Welt kennt; ein aufstrebendes Indien, sich entwickelnd, auf dem Vormarsch. Nein, in ihren Gesichtern kann man den Geschichten der großen Masse folgen, jenen, die nie das weltliche Indien kennen lernen werden, sondern in ihren Augen das Bild eines Indiens zeigen, vor dem der Rest der Welt die Augen verschließt, jenes der großen Masse. In ihren Falten ist ihr Leben eingekerbt, von der Sonne gezeichnet, vom Kampf geprägt und in ihrer Haltung spiegelt sich die Kraftlosigkeit wieder, das Resignieren, die Erschöpfung. Auf einmal lernt man selbst so viel dazu, dass das Schreiben des eigenen Namens nun doch nicht mehr so wichtig ist, dass das von der Welt gesehene Indien in einer anderen Welt statt findet und das viel mehr zählt, dass die Kuh im Dorf gut verpflegt ist, dass das Wetter nicht die Ernte vernichtet und das man den täglichen Kampf ums Überleben nicht aufgibt…


Ein Bruchteil der indischen Bevölkerung lebt jedoch das fancy, kolonialistische, hierzu ebenfalls später mehr, AC Leben und vergisst das Leben auf dem Land. Jene Städter, seien sie aus Delhi, Bangladesh oder Chandigarh, prägen jedoch das moderne Bild Indiens. Ein Hoch auf IT, moderne Medizin, der Merzedes mit Fahrer aus Rajasthan vor der Tür, ein Hoch auf den modernen indischen Kolonialismus, welcher früher doch so verhasst war...

Die Schlucht zwischen arm und reich ist mittlerweile unüberblickbar groß geworden, so, dass man nur noch die eine Seite sehen kann. Entweder du bist arm, oder du bist reich, gefressen oder gefressen werden. Und dem Rest der Welt wird zu erst die falsche Seite gezeigt und kein Ausflug auf die andere versprochen, nich einmal ein Fernglas...