Montag, 24. Januar 2011

Varanasi 2.0.

Chaotisch, stinkend, dreckig, anstrengend. So der erste Eindruck Varanasis im September vergangenen Jahres. Habe ich mir jedoch immer gesagt, dass ich noch einmal in diese Stadt fahren müsste – ohne Monsoon, den Ganges als Fluss wahrnehmend, Ghats sehend und alles noch einmal mit anderen Augen sehen könnend. Und ja, die Stadt hat ihren Monsooncharakter beiseite gelegt und sich in bunten Farben, mit verschiedenen leichten Geruchsnuancen und einer gewissen Gelassenheit gezeigt. Der Schmetterling ist aus seinem Kokon geschlüpft.


Statt lärmenden Gassentumulten und schwitzendes Aneinandervorbeischieben, ließen nun Jung und Alt Drachen steigen, sind auf dem Ganges mit Booten gefahren – es gibt sogar Fische! * - , haben Chai am Flussufer genossen, Wasserbüffel gewaschen und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.

Es schien, als würde sich die Stadt bei allem auf einmal mehr Mühe geben. Während der Pooja waren zahlreiche Kerzen auf dem Ganges, es wurde lang und laut dazu gesungen, der Fluss selbst färbte sich in den verschiedensten Tönen, die Sonne lies Sommersprossen im Januar schießen, die Ghats waren nun wirklich existent und luden zum Spazieren am Fluss ein und es schien, als wären viel weniger Menschen vor Ort.


Spirituelle Schwingungen habe ich auch diesmal nicht spüren können, dafür jedoch eine angenehme und wohltuende Entspanntheit.

Eine Gelassenheit in einer Stadt, die wohl mehr Motive und Bilder bietet, als irgendeine andere, Unbekanntes offen hält, sympathisch anstrengend ist und entdeckt werden will. Ich mags.


  
 
* An dieser Stelle des Ganges befinden sich etwa 400 x mehr Colibakterien als das offizielle Maximum der Grenze zur Gesundheitsgefährdung erlauben würde und stellenweise gibt es auch keinen gelösten Sauerstoff.

1 Kommentar:

  1. Ist wie bei uns in Deutschlannd... wenn draußen Schnee liegt und es kalt ist, ist tote Hose. Sobald aber die ersten Sonnenstrahlen uns erwischen und die Kälte zurück geht, erblüht es mit neuer Pracht =)

    AntwortenLöschen