Montag, 3. Januar 2011

Gepäckablage und Wüstenschiff.

Einmal mehr Rajasthan, nun aber in einem Teil, welchen ich erreichen wollte, aber nicht dachte, es wirklich zu schaffen – die Wüste!


Mit dem Zug ging es diesmal nach Jodhpur, der angeblich blauen Stadt, doch die sandsteinfarbenen Häuser haben das Blau verschluckt und dafür einen angenehmen Wüstencharakter geschaffen. Jodhpur diente dennoch lediglich als Zwischenstop, da wir gleich weiter gen Jaisalmer, mitten in der Wüste, aufbrechen wollten. Den Weg bis dahin verbrachten wir in einem offiziellen Sleeperabteil des Busses, hatte dieses jedoch eher die Maße einer europäischen Busgepäckablage, aber immerhin gab es zu öffnende Fenster und außerhalb unserer 180 x 60 x 50 cm Box wäre es für uns eh enger und unangenehmer geworden. Unmengen von Menschen im Bus – sitzen, stehen, liegen, gequetscht und oben auf dem Dach – das hierbei niemand heruntergefallen ist, bleibt mir immernoch ein Rätsel... Es hat Spaß gemacht, war ein kleines Abenteuer und nach einem halben Tag waren wir ja auch schon am Ziel und das eigentliche Abenteuer konnte beginnen – Kamelsafari mitten im Nirgendwo!



Fernab leglichen Massentourismus waren wir eine kleine 4-köpfige-multikulti Gruppe und lernten unsere Kamele mitten in der Pampa Rajasthans kennen. Unglaublich! Pure Stille, klare Luft, keine Häuser, nur Natur und mitten drin unsere Kamele mit unseren Führern für die nächsten 24 Stunden! Den Tag verbrachten wir nun auf den Rücken unserer Wüstenschiffe, mehr oder weniger schmerzhaft und abgesehen von einem kleinen Dorf war einfach nichts außer Natur – nichts! Für viele mag jene Vorstellung sehr eintönig erscheinen, aber nein, besser ging es nicht. Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und Seele und Füße baumeln lassen! Und dann die Dünen, auf einmal da, in ihrer Reinheit und Perfektion, die beginnende natürliche Grenze zu Pakistan, angestrahlt von der untergehenden Sonne und Zufriedenheit und Ruhe vermittelnd. Schweigen, den Sonnenuntergang im Sand sitzend genießen und die Welt vergessen...


Von Ruhe erfüllt und mit vollem Magen saßen wir nun in weihnachtenvergessender zufriedener Stimmung in unserer muslimisch-jüdisch-christlich-buddhistisch-atheistischen Konstellation, welche jegliche friedens- und kulturforschenden Menschen entzückt hätte, ums Lagerfeuer herum und haben den wandelnden Sternenhimmel beobachtet und konnten, unter vielen Decken versteckt, einschlafen...

... und dann war Weihnachten...

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