Montag, 8. November 2010

Lost in Paradise?!

Ich habe nun die mit wichtigsten spirituellen, magischen Orte besucht: Varanasi, Haridwar, Rishikesh oder auch Manali, aber gefunden habe ich die Spiritualität immer noch nicht. Deswegen: Fragen wir einmal Wikipedia, denn vielleicht war es ja die ganze Zeit nur ein dummes Missverständnis…?! Kurz nachgeschlagen und alles zusammengefasst, kommt Spiritualität aus dem lateinischen (spiritus – welch Wortwitz) und bedeutet so viel wie Geist oder Hauch. Ein wenig modernisiert, in das Hier und Jetzt eingebunden und im weiteren Sinne verstanden, bezieht sich Spiritualität auf Geistigkeit. Nehmen wir es noch ein wenig ernster, bezieht es sich auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinne. Und wenn man schon einmal dabei ist, kommt man auch ganz schnell zum Jenseits, der Unendlichkeit – welcome to Nirvana?! Versteht man Spiritualität nun in diesem Sinne, bin ich ja noch weiter davon entfernt, als vorher gedacht… Versuchen wir es mit dem Magischen, aber nicht jenem, bei dem wilde kleine Zauberer in westlicher Kleidung Zauberstäbe schwingen, sondern jene, welche wohl von Rishikesh und Co. auszugehen scheint. Diese besagt, dass Menschen von übernatürlichen Dingen beeinflusst werden und diese auch noch veschiedenste Ereignisse bestimmen können. Wild.

Gut, nach der Theorie kommt die Praxis. Von der Spiritualität ist es nicht weit, bis zur Selbst-Werdung, wie man so schön sagt, dem Finden des neuen Ichs. Möglichst spirituell, angenehm und effektiv funktioniert dies durch Yoga und Meditation. Gut, gar keine Frage, dass ist bestimmt möglich, macht Spaß und hilft. Aber jetzt das „aber“ an der ganzen Sache: Warum gerade in Rishikesk?! Die meisten dort lebenden InderInnen machen ein Geschäft aus Allem, denn die Selbstfindungstrip-Touristen zahlen ja für alles sehr gern, so lang ihnen gesagt wird, dieses oder jenes ist heilig, hilft zu neuer Energie oder hilft, den Geldbeutel, und somit das Gewissen, zu erleichtern. Wer weiß. Ich für meinen Teil glaube jedenfalls, dass Riskikesh ein Ort ist, welchen sich irgendwann einige Nicht-InderInnen ausgewählt haben, um sich auszuleben, dem Kind einen Namen zu geben, selbst die Heiligkeit zu schaffen o. ä. Ich weiß es nicht genau, aber komisch ist es schon… Nebenbei sei angemerkt, dass Riskikesh für die meisten InderInnen einfach mal der Ort zum Nichtstun oder raften ist…

Tja und Varanasi?! Selbst Aravind Adiga schreibt in seinem Bestseller „Der weiße Tiger“, dass man diese Stadt eher den amerikanischen Touristen lassen sollte. Ja, so unglaublich religiös geprägt und unglaublich faszinierend alles dort ist, drückt der überkommende Tourismus aller Art diese mögliche Magie des Ortes.

Ich glaube eher, dass diesen Orten ihre wirkliche Spiritualität verloren gegangen ist und nun eine neue aufgedrückt wurde, die leichter zu empfangen ist und die wahre Spiritualität und Magie Indiens versteckt sich meiner Meinung nach nicht ohne Grund fern von allen Massen in den kleinsten Winkeln dieses großes Landes und will entdeckt werden...

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